Unsere Projekte

“Kindern mit einer Operation von ein bis zwei Stunden ein besseres Leben zu schenken, das ist ein unglaublich tolles Gefühl“, sagt Dr. Julia Berkei, Plastische Chirurgin in Frankfurt. Einmal im Jahr – abhängig davon, ob genug Spenden gesammelt werden konnten – reist sie seit 2009 zusammen mit ihren engagierten Ärztekollegen und bis zu 1000 Kilo medizinischem Material nach Myanmar, um Menschen zu helfen. Menschen, um die sich sonst kaum jemand kümmert. Im Oktober 2012 war die Frankfurter Ärztegruppe bereits zum dritten Mal dort im Einsatz.

Dabei liegt das Augenmerk der Ärzte besonders auf den Kindern. Besonders verbreitet in Myanmar sind bei ihnen die so genannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. In Industriestaaten ein Routineeingriff, können die meisten burmesischen Menschen nicht behandelt werden. Zum einen gibt es in der Klinik – so wie im gesamten Land – nicht genügend ausgebildete einheimische Fachärzte um etwa Fehlbildungen oder weitere beeinträchtigende Probleme zu operieren. Zudem haben die Kinder, beziehungsweise deren Eltern in den meisten Fällen auch nicht die notwendigen finanziellen Mittel. Sie sind deshalb auf freiwillige, unentgeltliche Hilfe von außerhalb angewiesen.

Die Folgen der weit verbreiteten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten für die kleinen Patienten sind dramatisch. Oft werden sie aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oder Sprachprobleme versteckt, von ihren Mitmenschen gemieden, bekommen keine Ausbildung. Viele sind chronisch unterernährt, da sie ihren Mund nicht schließen können und die Nahrungsaufnahme so nur schlecht funktioniert; dazu kommen Zahnfehlstellungen und immer wiederkehrende Infekte. Weitere Erkrankungen, die das Team behandelt sind ausgedehnte Verbrennungsnarben, Tumore an Kopf, Hals und Haut sowie Fehlbildungen, die durch Naturkatastrophen oder Kriegsverletzungen hervorgerufen wurden. Dabei bedarf es oft nur eines relativ kleinen Eingriffs, um der sozialen Ausgrenzung etwa durch ein entstelltes Gesicht oder fehlgebildete Hände ein Ende zu setzen.

Ausgewählt für seine Einsätze in Myanmar hat das Ärzteteam das Sitagu Ayudana Hospital in Sagaing Hills, das sich in der Nähe von Mandalay befindet. Eingebunden in einen buddhistischen Klosterkomplex wird die kleine, einfache Klinik von den dort lebenden Mönchen betreut. Die Einsätze werden Wochen vor Ankunft der Ärzte über Radio und Zeitungen angekündigt, um möglichst viele Burmesen zu erreichen. Daraufhin reisen hunderte von Hilfebedürftigen aus dem ganzen Land an, in der Hoffnung, Hilfe für sich selbst oder ihre Nächsten zu finden. Jedes Jahr ist es für die Frankfurter Ärzte ein sehr emotionaler Moment, wenn Sie im Hospital ankommen und die große Menge an Menschen sehen, die bereits warten.

Da Ärzte und Pflegepersonal unentgeltlich arbeiten, zudem ihre Reisekosten selbst tragen, brauchen Dr. Julia Berkei und ihr Team Material für 500 Euro, um ein Kind mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte operieren zu können. Im vergangenen Jahr haben sie 120 Kindern operiert. Das hatte seinen Preis – 60.000 Euro allein für das OP-Material. Um das Projekt langfristig erhalten zu können, brauchen die Helfer daher dringend Spenden – finanzieller und materieller Art. “Wir brauchen Material, Medikamente, medizinische Geräte und Instrumente. Wir müssen im Prinzip einen ganzen OP-Raum mitbringen vom Anästhesiegerät bis zum sterilen Faden und es ist alles teuer“, so Dr. Julia Berkei.

Die Ärzte des MIT arbeiten während ihres Aufenthalts in Myanmar bis zu 15 Stunden täglich. Trotz dieses Kraftakts müssen sie dennoch viele Patienten zurücklassen. “Das ist das Schlimmste”, berichtet die Vorsitzende. “Wir operieren so viele Kinder, aber es reicht natürlich nie aus. Wenn wir nach zwei Wochen abreisen, befinden sich in der Klinik immer noch Kinder, die wir aus Kapazitätsgründen nicht mehr operieren können. Das ist für uns alle sehr traurig und frustrierend.” Die Ärzte hoffen jedes Jahr, dass sie genug Spender finden, um im kommenden Jahr die Arbeit fortsetzen zu können. Auch 2013 wollen sich Julia Berkei und ihre Kollegen wieder auf den Weg nach Sagaing in Myanmar machen.

Dabei ist der eigentliche Einsatz vor Ort nur ein Teil der Arbeit. Hinzu kommt die Planung und Organisation sowie das Sammeln von Spenden, das Organisieren von Charity-Veranstaltungen; hunderte von Telefonaten, E-Mails und Briefen sind notwendig, um den Transport für die bis zu 1000 Kilo an Equipment, sowie für gesponserte medizinische Geräte zu gewährleisten, die oft von unterschiedlichen Firmen und Spendern kommen. Gepackt werden müssen Ausrüstung und Spenden für die Kinder schließlich in bis zu 30 Aluminium-Boxen. Alles in allem eine anspruchsvolle, herausfordernde Aufgabe, die die Ärzte neben ihrer regulären Arbeit auf sich nehmen.

Während der Einsätze 2009, 2010 und zuletzt im Oktober 2012, hat das Ärzteteam erfolgreich mehr als 260 Menschen plastisch-rekonstruktiv versorgt und über 300 zahnärztliche Eingriffe und Untersuchungen durchgeführt. Der jüngste Patient war dabei gerade mal drei Monate alt, der älteste 85 Jahre.

Dr. med. J. Berkei
Plastic Surgeon

Dr. med. B. Sarkar
Otolaryngologist

Prof. Dr. med. U. Harréus
Assistant medical director, Otorhinolaryngology
University Hospital, Munich

PD Dr. med. K. Exner
Head of the Department of Plastic, Reconstructive an Aesthetic Surgery,
Markuskrankenhaus, Frankfurt

B. Haddad
Oral Surgeon

Dr. med. P. C. Mueller
Maxillofacial Surgeon
Dr. med. R. Fischer
Anaesthesiologist, Emergeny Medicine

Dr. med. M. Hochscherf
Head of the Department of Anaesthesiology, Asklepios Krankenhaus Lindau

N.-N. Pluto
Resident in Plastic Surgery

F. Nourbakhsh
Resident in Plastic Surgery

T. Kheiri
Medical student

Dr. H.-J. Todt
Todt Trade Finance Company
Member of the Executive Board of the German Asia Pacific Business Association, Hamburg

Dr. med. J. Plagemann
Anesthesiologist

Dr. med. dent. A. J. May
Dentist

Dr. med. dent. S. C. May
Dentist

A. T. Maung
Medical student

Simone Groß
Charity Manager